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EHRENKIRCHEN. Das 2007 eingeweihte Altenpflegezentrum ist nach ihm benannt, ebenso wie der Weg, der daran vorbeiführt: Prälat Alois Stiefvater. Doch wer war der Mann, der diesem Haus seinen Namen gab? Engelbert Pfefferle, Chronist seines Heimatortes Kirchhofen und Biograph einiger seiner berühmten Persönlichkeiten, frischte in zwei Vorträgen die Erinnerung an Alois Stiefvater und sein Wirken auf.
Als der kleine Alois 1905 in die angesehene Kirchhofener Ratsschreiberfamilie Stiefvater hineingeboren wurde, deutete noch nichts auf die Ereignisse hin, die die Welt verändern sollten, vor allem die beiden Weltkriege. Es ging friedlich zu und alles hatte seine Ordnung und seinen Platz: Wenn heute von der "guten alten Zeit" die Rede ist, dann ist wohl diese Epoche gemeint. Man schaffte viel und feierte Feste, die sich am Verlauf des Kirchenjahres orientierten und das war in Kirchhofen mit seiner Wallfahrtskirche "Mariä Himmelfahrt" besonders ausgeprägt der Fall. Die Fotos, die Engelbert Pfefferle mitgebracht hatte, verdeutlichten dies. Mutter Ida Stiefvater, geborene Binninger, leidend und tief religiös, legte wohl den Keim für den Lebensweg ihres Sohnes Alois und seine Entwicklung zum Kirchenmann.
Nach einer von viel Heimweh geprägten Schulzeit im Erzbischöflichen Knabenseminar zu Freiburg feierte Alois Stiefvater 1930 in der Kirchhofener Wallfahrtskirche zusammen mit seinem Vetter Hermann Stiefvater die Doppelprimiz. "Für uns Kirchhofener war es eine besondere Freude und Ehre, dass er immer wieder in seine Heimatgemeinde zurückkam", so Chronist und Biograph Engelbert Pfefferle. Er ist 15 Jahre jünger als sein Vorbild Alois Stiefvater, dessen Leben er als Zeitzeuge und Weggefährte von früher Jugend an begleitete. Dass er nicht der einzige war, zeigte sich bei den beiden Vortragsveranstaltungen: Nicht wenige Zuhörerinnen und Zuhörer bestätigten durch ihre Reaktionen, dass sie den charismatischen Prediger und Wegbereiter vieler erfolgreicher Initiativen genau so wahrgenommen hatten und sich an ihn erinnern konnten.
Denn Alois Stiefvater entwickelte im Laufe seiner Laufbahn erstaunliche Fähigkeiten darin, Bewegungen anzustoßen, die bis heute lebendig sind. Die Chronik und vor allem die Laudatoren anlässlich seines 75. Geburtstags im Jahr 1981 belegen das. So lobt der damalige Erzbischof von Freiburg, Oskar Saier, "seinen unermütlichen Einsatz für die Kolpingfamilie, das Männerwerk und das Altenwerk."Mit seinen Predigten, Vorträgen, Aktionen und nicht zuletzt seinen Büchern habe er Priestern und Laien viele Anregungen und Hilfen für die praktische Arbeit im kirchlichen Bereich und im gesellschaftlichen Leben gegeben. Darin bestätigt wird der damalige Erzbischof von einer Reihe von Zeitgenossen und Wegbegleitern, etwa Klaus Hemmerle, Bischof von Aachen, Prälat Julius Schäuble und anderen, die Alois Stiefvater als "Priester, Schriftsteller, Organisator und Politiker" lobten. Breiten Raum im Schaffen des Alois Stiefvater nahm sein Engagement für die Männerarbeit und für das Altenwerk ein. Denn er galt als "Vorkämpfer der Altenpolitik", aber nicht nur: Auf dem Gebiet der Volks- und Erwachsenenbildung hat der Prälat laut Erich Reisch, Direktor des Fachverbands für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese, Hervorragendes geleistet.
Einer der Laudatoren der Festschrift zum 75. Geburtstag mit dem Titel "Unser Dr. Stiefvater" ist auch sein langjähriger Mitarbeiter Franz Nadler, der in seinem Beitrag auf die Bedeutung des Jubilars als Schriftsteller hinweist. Immer wieder wird aber auch sein Einsatz für die Ideen Adolf Kolpings hervorgehoben, die geradezu richtungweisend für das Wirken des Alois Stiefvater gewesen sein müssen. Auch Engelbert Pfefferle nimmt in dieser Schrift Bezug darauf. Aus eigenem Erleben kann er Erinnerungen beitragen, so diese: "Am 4. Mai 1980 versammelte sich fast die ganze Gemeinde, um ihn zum Goldenen Priesterjubiläum zu ehren. Er selbst aber machte der Gemeinde ein großes Geschenk indem er die ‘Hl. Anne Selbdritt’ restaurieren ließ, die nun wieder an der Säule bei der Wallfahrtskapelle in neuem Farbenglanz erstrahlt."
Alois Stiefvater starb 1986 mit 81 Jahren nach einem Schlaganfall und ist auf dem Kirchhofener Friedhof begraben. Nichts habe näher gelegen, so Engelbert Pfefferle, als das Altenpflegezentrum in der Ortsmitte nach ihm zu benennen.
Mi, 21. August 2013
Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung. von Anne Freyer
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